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Vectoring Kurs lässt Kunden abwandern

Telekom wegen fehlenden FTTH mit großen Problemen

von Dennis Lenz •

Der aktuelle Telekom Chef van Damme muss gehen. Durch den Vectoring Kurs und den fehlenden Glasfaserausbau verliert die Telekom in Köln, Hamburg und München viele Kunden an die lokalen Glasfaseranbieter der Stadtwerke.


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Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche, der sich auf eine interne Quartalsanalyse des Unternehmens bezieht, steht die Telekom im Festnetz massiv unter Druck. Das größte Problem ist, die große Anzahl der Kunden die von der Telekom zu lokalen Anbieter wechseln. Der mangelnde Ausbau von FTTB/B der Telekom sorgte dafür, dass die Angebote der kleineren lokalen Anbieter, die über ein eigenes Glasfasernetz verfügen, für einen großen Teil der Bevölkerung immer attraktiver werden. Aktuell liegt die Telekom mit etwa 13 Millionen Anschlüssen und 40 Prozent Marktanteil in Deutschland jedoch noch mit großem Abstand auf Platz eins. Der Kundenrückgang in den angesprochenen Gebieten ist jedoch so groß, dass der Marktanteil nur noch 18 bis 30 Prozent beträgt.

In einem internen Dokument gab das Unternehmen zu, dass "Breitband noch nicht auf Zielkurs sei". Die Ziele des ersten Halbjahrs beim Netto-Neukundenzuwachs konnten, obwohl ein Sonderangebot für monatlich 19,95€ im ersten Jahr angeboten wurde, nicht erreicht werden. Auch die im Jahr 2015 gemachte Vorgabe von 13,6 Millionen Breitbandkunden bis Ende 2018 wird vermutlich nicht erreicht werden. Die Telekom müsste dafür in den kommenden 15 Monaten 0,6 Millionen Neukunden werben, was laut einem Bericht der Wirtschaftswoche nicht realistisch ist.

Kunden verlangen FTTH/B

Netcologne, M-net und Wilhelm.tel nutzen die Untätigkeit der großen Anbieter im Bereich des Glasfaserausbaus aus und bauen eigene Netze auf. Die massive Nutzerabwanderung zu diesen, vor einigen Jahren noch sehr kleinen und kaum bedeutenden, Providern hat die Telekom so nicht erwartet. Wilhem.tel konnte mit dem Partnerunternehmen Willy.tel in Hamburg bereits so viele Haushalte abwerben, dass die Telekom nur noch einen Marktanteil von 20 Prozent hält. Auch in München wird der lokale Anbieter M-net, laut einer Aussage der Geschäftsführerin Dorit Bode, noch in diesem Jahr größter Anbieter von Breitbandanschlüssen. Das Ziel von M-net ist es, die gesamte Stadt München mit FTTB (Fiber To The Building – Glasfaser ins Haus) Anschlüssen zu versorgen.

Netcologne ist in Köln bereits seit einigen Jahren der größte Provider. Zusammen mit dem Netzwerkausstatter ZTE hat der Provider auf der Messe Angacom 2017 eine G.fast-Lösung vorgestellt, die es möglich macht 1,8 GBit pro Sekunden zu übertragen. Die beindruckende Datenrate wurde von Netcologne in 1,6 GBit/s Download und 0.2 GBit pro Sekunden Upload aufgeteilt.

Bei Giganetzen spielt die Telekom nur eine kleine Rolle

Bereits im Juli 2017 gab der Telekom-Manager Jürgen Lück zu, dass der Konzern im Bereich Giganetzen und Glasfaserausbau keine gute Position habe. Lück sagte: "Bei Giganetzen hat die Telekom nicht unbedingt eine führende Position und fokussiert sich auf Kooperationen."

Der scheidende Chef der Telekom Deutschland van Damme sagte auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin "FTTH betrifft eine ganz kleine Menge der Kunden in Deutschland. Es sind fast 700.000 Kunden zum Ende des Jahres". Außerdem ergänzte er „die Telekom habe 445.000 Kilometer Glasfaser verlegt.“

Im Januar 2018 wird Dirk Wössner den Posten als Telekom Deutschland Chef von van Damme übernehmen. Vorher war er bei Rogers Communications in Kanada tätig, wo nach Aussagen der Telekom bereits flächendeckend Glasfaseranschlüsse mit 1 GBit/s angeboten werden. Rogers Communications bietet in Kanada Produkte in den Bereichen Fernsehen (Kabelnetz), Festnetz und Mobilfunk an.

Laut einem Bericht der Wirtschaftswoche muss neben van Damme auch Reinhard Clemens, der Chef der Geschäftskundensparte T-Systems, den Konzern aufgrund der großen Marktanteilsverluste verlassen. Der Konzernchef der Telekom Timotheus Höttges, der für die Personalveränderungen verantwortlich ist, hat jedoch selbst den Vectoring statt FTTH Kurs des Unternehmens bestimmt.

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