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Projekt BattBump

Smartphone-Akku laden per NFC? Kickstarter-Kampagne gelöscht

von Robert Klatt •

Das Start-up BattBump hat angeblich eine App entwickelt, um Smartphones kabellos per NFC zu laden. Dies ist jedoch technisch unmöglich.


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Die Kickstarter-Kampagne Projekt-BattBump hat damit geworben, eine neue Technologie entwickelt zu haben mit der Smartphones kabellos per App Energie austauschen zu können. Dazu sollte Nahbereichfunk NFC genutzt werden, der eigentlich zur kabellosen Übertragung von Daten beispielsweise für die kabellose Bezahlung mit Google Pay genutzt wird. Allen Personen die auch nur geringeres technischen Grundwissen haben, müssten eigentlich direkt bemerken, dass die angeblich existierende Technologie so gar nicht möglich ist.

Werbung für Kryptowährung?

Das Start-up hinter dem Projekt hat die angebliche Erfindung wie heute üblich natürlich mit einer eigenen Kryptowährung verknüpft. Nutzer der App die anderen Nutzern Akkukapazität übertragen sollten dafür mit der Kryptowährung "BB Tokens" entlohnt werden. Das Geschäftsmodell ähnelt somit vielen anderen Krypto-Start-ups jedoch mit dem Unterschied, dass das eigentliche Produkt von BattBump technisch unmöglich funktionieren kann.

Betrug oder mangelndes technischen Verständnis?

Die Kickstarter-Kampagne der Initiatorin Cat Clarke sollte insgesamt 30.000 australische Dollar einbringen, was rund 19.000 Euro entspricht. Ob die Initiatorin dabei einfach die technischen Möglichkeiten nicht verstand oder ob ein Betrug geplant war ist schwer zu bewerten. Auf Nachfrage von heise.de sagte Clarke, dass „die Technik zur drahtlosen Energieübertragung bereits besteht“. Dabei handelt es sich jedoch nicht um NFC, wie es in der Kickstarter-Kampagne beworben wurde. Clarke erklärte außerdem, dass „ihre Software den Prozess beschleunigen wird“.

NFC erlaubt lediglich die Versorgung kleinster Verbraucher mit Energie. Smartphones besitzen jedoch den dafür nötigen Empfänger gar nicht und auch die übertragene Energie wäre zu gering, um einen Smartphone-Akku zu laden. Selbst wenn ein Smartphone über einen entsprechenden Empfänger verfügen würde, wäre die übertragene Energie nicht ausreichend um den Stromverbrauch während der Übertragungsdauer zu decken. Der Akku würde sich also weiter entladen, obwohl extern per NFC Energie zuführt wird.

Eine ähnliche Idee wurde 2017 von Sony bereits patentiert, in der Praxis aber nie umgesetzt. Der aktuell verwendete Qi-Standard erlaubt es Smartphones lediglich kabellos geladen zu werden. Sie selbst können mit der aktuell verbauten Hardware aber keine Energie an andere Geräte abgeben.

Ein Rettungsversuch der Kampagne von Clarke scheiterte ebenfalls. Nachdem durch Reddit-Beiträge und den bekannten YouTube-Kanal EEVBlog von Dave Jones reichlich Kritik und Spott eintrudelte, änderte sie die Projektbeschreibung auf Kickstartet. Die neue Beschreibung gab zu, dass es aktuell die Technik noch nicht gibt, dass sie aber sobald sie verfügbar sei die entsprechende Lizenz dafür erwerben wird.

Zensur auf YouTube?

Kurz nach der Beschreibungsänderung wurde die Kampagne deaktiviert. Außerdem versucht Clarke seitdem erfolglos sämtliche Spuren im Internet zu verwischen. Dazu wurde sowohl die Webseite von BattBump offline gestellt als auch die persönliche Webseite von Clarke. Die Kickstarter-Kampagne ist jedoch immer noch einsehbar, obwohl sie gestoppt wurde.

Auch das BattBump-kritische Video von YouTuber Dave Jones wurde aufgrund einer nicht nachvollziehbaren Beschwerde gelöscht, da er angeblich die Privatsphäre von Clarke damit verletzt haben soll. Sein Video enthielt jedoch nur Informationen die Clarke selber im Internet veröffentlicht hat.

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