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Echo, Kindle und Co.

„Sklavenarbeit“ für Amazon bei Foxconn in China

von Robert Klatt •

Bis zu 100 Überstunden, 14 Tage Arbeit ohne Pause und dazu ein Gehalt unter Mindestlohn hat die China Labor Watch in einer für Amazon arbeiteten Fabrik entdeckt.


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Die Menschenrechtsorganisation China Labor Watch hat herausgefunden, dass Amazon bei ihrem Auftragsfertiger Foxconn in China Hardware unter Bedingungen herstellen lässt die mit Sklavenarbeit vergleichbar sind. Die Arbeiter die für Amazon die Echo-Lautsprecher, Fire-Tablets und Kindle-E-Book-Reader bauen müssen mehr Überstunden leisten als gesetzlich erlaubt, bekommen weniger Mindestlohn als in China üblich, Überstunden werden nicht bezahlt und bei Krankheit wird der Lohn komplett einbehalten. Außerdem droht bei geringer Produktion die sofortige Entlassung. In der betroffenen Fabrik werden laut dem Bericht der China Labor Watch fast ausschließlich Amazon-Produkte gefertigt.

Ermittlungen seit August 2017

Um die Arbeitsbedingungen zu dokumentieren hat China Labor Watch im Zeitraum von August 2017 bis April 2018 mehrere Ermittler in die betroffene Foxconn-Fabrik entsandt. Dabei wurde eine Vielzahl von Gesetzesverstößen entdeckt. Dies ist die erste Untersuchung von China Labor Watch von einer Fabrik die zum überwiegenden Teil für Amazon fertigt.

Laut den unabhängigen Ermittlern bestand die Belegschaft zu rund 40 Prozent aus Leiharbeitern. Gesetzlich erlaubt sind in China jedoch maximal 10 Prozent. Obwohl die Aufgaben der Leiharbeiter und der restlichen Belegschaft überwiegend gleich waren, wurden die Leiharbeiter deutlich schlechter behandelt. Die Schulung der Leiharbeiter wurde in nur acht Stunden abgehalten, für reguläre Angestellte sind fünf volle Arbeitstage dafür vorgesehen. Gesetzlich vorgeschrieben sind auch hier mindestens 24 Stunden Sicherheitstraining.

Ohne Überstunden zu wenig Verdienst

Die prekäre Arbeitssituation der Leiharbeiter beschränkt sich nicht nur auf die Sicherheitsunterweisung, sondern macht sich in allen Bereichen bemerkbar. Im Vergleich zur Stammbelegschaft haben sie weniger soziale Absicherung und keine Krankenkasse. Einzahlungen in die Rentenkasse und andere Sozialprogramme werden ebenfalls vollständig eingespart. Außerdem können Leiharbeiter bei Foxconn bei schwacher Auftragslage jederzeit in den unbezahlten Urlaub geschickt werden.

Sie verdienen also in der Nebensaison deutlich weniger Geld, während in der Hauptsaison 100 Überstunden pro Monat keine Seltenheit sind. Die Ermittler haben festgestellt, dass einer der betroffenen Arbeiter ohne freien Tag 14 Tage am Stück arbeiten musste, um die Produktion für Amazon sicherzustellen. Trotz der enormen Arbeitsbelastung liegt der Lohn der Arbeiter bei nur 265 bis 395 Euro im Monat. Der Durchschnittslohn in der Provinz liegt bei rund 600 Euro. Die Arbeiter sind daher praktisch gezwungen Überstunden zu leisten, um ihr Überleben zu sichern.

Gewinne von Amazon auf Kosten der Arbeiter

Die hohen Gewinne des US-Konzerns werden nach Ansicht der China Labor Watch auf Kosten der chinesischen Fabrikarbeiter erzeugt, die keine andere Wahl haben als unter den menschenunwürdigen Bedingungen für einen Hungerlohn zu arbeiten. Laut einer aktuellen Bloomberg-Erhebung besitzen die dafür verantwortlichen Menschen nämlich Amazon-Chef Jeff Bezos und Foxconn-Chef Terry Gou ein Vermögen von 119 beziehungsweise 5,1 Milliarden Euro.

Amazon hat gegenüber der Zeitung Seattle Times versichert, sich zukünftig für bessere Arbeitsbedingungen in den Foxconn-Fabriken einzusetzen. Amazon prüft dazu Pläne, die durch Foxconn erstellt wurden.

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