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Labour-Partei unterstützt

Russischen Twitter-Manipulation auch bei Großbritannienwahl

von Robert Klatt •

Rund 20.000 untersuchte Tweets haben die Labour-Partei unterstützt. Hinweise deuten darauf hin, dass die Hintermänner aus Russland stammen.


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Nachforschungen der britischen Zeitung The Sunday Times in Kooperation mit der walisischen Swansea Universität haben ergeben, dass während der britischen Parlamentswahl im Juni 2017 rund 6500 russische Twitter Accounts versucht haben Wähler zu beeinflussen. Vor der Wahl wurden tausende Tweets mit Inhalten erstellt, die die Labour-Partei und den Parteichef Jeremy Corbyn unterstützten sollten. Die untersuchte Stichprobe von rund 20.000 Tweets enthielten entweder negative Äußerungen über die amtierende Premierministerin Theresa May und die Konservativen oder positive Äußerungen über die Labour-Partei. Die Frage ob und in welchem Umfang die Entscheidungen der Wähler durch die Kampagne beeinflusst wurden, konnte die Untersuchung leider nicht beantworten.

Account-Sprache verrät Bots

Die Untersuchung der 20.000 Tweets erfolgte unter Leitung von Oleksandr Sasha Talavera, Professor für Finanzen an der Swansea University. Alle untersuchten Tweets wurden innerhalb von vier Wochen vor der am 08. Juni 2017 erfolgten Parlamentswahl in Großbritannien abgesetzt. Alle untersuchten Twitter-Accounts waren russisch und wurden zum größten Teil von Bots kontrolliert. Auffällig ist auch das Erstellungsdatum das bei allen Accounts nur wenige Wochen vor der Wahl liegt. Die Nutzernamen waren bei 80 Prozent der Accounts typische englische weibliche Namen.

Millionen Nutzer erreicht?

Die an der Untersuchung beteiligten Personen sind sich trotzdem sicher, dass die Accounts aus Russland kontrolliert wurden. Sowohl die Sprache der Accounts als auch die Ortsangabe war Russland. Wer die Accounts kontrolliert oder die Manipulation der Wahl in Auftrag gegeben hat ist jedoch ungeklärt. Möglicherweise ist die russische Internet Research Agency (IRA) die auch als „Meinungsmanipulationsfabrik“ gilt im Auftrag der russischen Regierung für die Tweets verantwortlich. Da Twitter einen großen Teil der fraglichen Accounts inzwischen vollständig gelöscht hat, kann nicht mehr nachvollzogen werden wie viele Nutzer in Großbritannien durch die Kampagne erreicht werden konnten. Schätzungen der Sunday Times gehen jedoch von mehreren Millionen Nutzern aus, da die Stichprobe von 20.000 Tweets nur ein kleiner Teil der gesamten Nachrichten war.

Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass rund 90 Prozent der Tweets positiv über die Labour-Partei und Corbyn sprachen. Außerdem schalteten sich die Twitter-Bots in Diskussionen ein, bei denen negativ über Corbyn gesprochen wurde. Einige Tweets wurden durch das Bot-Netzwerk weiterverbreitet, um so die Audienz zu vergrößern.  Tweets über die Konservative-Partei enthielten zu 90 Prozent negative Äußerungen. Die größte Aktivität war am Wahltag selbst. Die Bots forderten an diesem Tag Nutzer die zuvor als Labour-Anhänger identifiziert wurden auf, an der Wahl teilzunehmen.

In einer Stellungnahme gegenüber der Sunday Times erklärte ein Sprecher der Labour-Partei, dass die Kampagne ohne finanzielle Unterstützung und ohne Wissen der Partei erfolgte. Ob die Zunahme von 9,5 Prozent der Wählerstimmen auf 40 Prozent im Vergleich zur vorherigen Wahl auch auf die Kampagne zurückgeht ist unklar.

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