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Nachfrage nimmt zu

Godspot bringt freies Kirchen-WLAN auch nach Bayern

von Robert Klatt •

Der Service Godspot versorgt Kirchen mit öffentlichen WLAN-Zugängen. Es sollen so neue junge Mitglieder gewonnen werden.


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Fast alle deutschen Gemeinden haben mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen. Die Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hat unteranderem aus diesem Grund der kostenfreien Service Godspot entwickelt, mit den Kirchengemeinden ihren Besuchern ohne Registrierungspflicht einen rechssicheren WLAN-Zugang anbieten können. Nach anfänglichem Zögern und langen Verhandlungen expandiert der Dienst jetzt auch ins konservativ geltende Bayern. Allen zugehörigen Gottes- und Pfarrhäusern und angeschlossenen Einrichtungen wurde nun offiziell von der bayerischen Evangelisch-Lutherische Kirche empfohlen ihre Räumlichkeiten ebenfalls per Godspot an das Internet anzubinden. Gläubige müssen für die Verwendung des WLAN-Zugangs der über einen speziellen Hotspot angeboten wird nichts bezahlen.

Godspot verfügt über Fördergelder in Höhe von 25.000 Euro, die für den Ausbau des bayerischen „Neulands“ vorgesehen sind. Jede Kirche die Godspot installieren möchte, soll pauschal 250 Euro aus dem Topf erhalten. Godspot spricht auch mit anderen Landeskirchen über einen möglichen WLAN-Ausbau.

Hohe Nachfrage nach Godspot-Ausbau

Die ersten Godspot WLAN-Zugänge wurden während des Pilotprojekts im Frühjahr 2016 in Berlin und Brandenburg installiert. Inzwischen ist Godspot landesweit verfügbar und bei 166 Kirchensprengeln in Verwendung. Fabian Kraetschmer der IT-Leiter der EKBO hofft, dass durch die Unterstützung des des bayerischen Oberkirchenrats Detlev Bierbaum im Freistaat die Nachfrage schnell ansteigen wird. Bayern verfügt über 1500 evangelische Gemeinden, die sich mit Godspot stärker in die digitale Welt integrieren könnten. Der

Online Beichte per WhatsApp?

Der IT-Experte erklärte, dass Godspot dafür sorgen könnte, dass das Beicht- und Seelsorgegeheimnis auch im Internet gewahrt wird und dass eine "Vertraulichkeit und Verlässlichkeit in der Kommunikation sichergestellt wird." Godspot ist zwar ohne VPN-Zugang oder zusätzliche Verschlüsselungen genauso angreifbar wie andere öffentliche WLAN-Zugänge, die Gläubigen können ihre Anonymität aber wahren, da sie sich weder mit persönlichen Daten registrieren noch für den Dienst bezahlen müssen. Auch personalisierte Werbung, die die Nutzer ausspioniert, wird es nicht geben.

Der Dienstleister verlangt pro Godspot-Router zehn Euro pro Monat. Dafür erhalten die Gemeinden ein vorkonfiguriertes Gerät und eine Anlaufstelle für Probleme die online erreichbar ist. Kraetschmer geht bei einer mittelgroßen Kirche, die neun Antennen benötigt, von monatlichen pauschalen 50 Euro Kosten aus. Große Kirchen mit vielen Besuchern wie die Gedächtniskirche in Berlin müssen monatlich mit 150 Euro Kosten kalkulieren. Im Durchschnitt haben die angeschlossenen Gemeinden aktuell 20 Besucher täglich, den Rekord hält die Stadtmission am Berliner Hauptbahnhof mit 400 bis 500 Besuchern pro Tag. Vermutlich handelt es sich dabei aber auch oft um Reisende, die nicht gezielt eine Kirche aufsuchen wollten, sondern nur das freie WLAN bemerkt haben.

Kraetschmer berichtet davon, dass "es nicht immer leicht ist, eine Gemeinde zu überzeugen, WLAN vom Kirchturm zu machen." Er argumentiert damit, dass der kostenfreie Internetzugang die Kirchen für jüngere Leute attraktiver mache, die oft nur schwer in die Kirche zu locken sind. Der WLAN-Zugang kann damit ein Faktor bei der Bekämpfung der sinkenden Mitgliederzahlen sein. Außerdem können Kirchen per Godspot Benachteiligte und alte Personen am Internet teilhaben lassen, die sonst keinen Zugang zu diesem Medium haben. Laut Kraetschmer gab es bisher noch keine Beschwerden über Besucher, die beim Gottesdienst im Internet surfen.

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