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Überwachung und Zensur

Gerücht – Google kehrt mit zensierter Such-App nach China zurück

von Robert Klatt •

Laut einem Whistleblower plant Google mit einer zensierten Such-App die Rückkehr nach China. Von 2006 bis 2010 gab es bereits ein ähnliches Angebot.


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Google hat sich 2010 aus China zurückgezogen, da der amerikanische Konzern die Ansicht vertreten hat, dass die chinesische Regierung die „Meinungsfreiheit einschränkt“. Damals hat Google im Unternehmens-Blog geschrieben, dass „sie sich entschieden haben, dass sie nicht länger bereit sind, die Suchergebnisse auf Google.cn zu zensieren“.

Laut internen Unterlagen die ein Whistleblower dem Magazin „The Intercept“ übergeben hat, plant Google nun doch eine zensierte Suchmaschine für China. Es soll bereits zu einem Treffen zwischen Regierungsvertretern und Google-CEO Sundar Pichai gekommen sein, in dem über Details der chinesischen Google Version gesprochen wurde. Das geheime Projekt mit dem Namen „Dragonfly“ soll bereits jetzt einige Hundert Mitarbeiter bei Google beschäftigen.

„Sensible Suchanfragen“ werden gefiltert

 Die geplante Android-App soll Ergebnisse von Seiten wie BBC News und Wikipedia vollständig filtern und „sensible Suchanfragen“ nicht zulassen. Die Zensurmaßnahmen beschränken sich dabei nicht auf Suche an sich, sondern auch auf die Rechtsschreibkorrektur und Suchvorschläge. Laut dem Bericht von „The Intercept“ soll die chinesische Regierung die App bereits zur Kontrolle erhalten haben. Google konzentriert sich vorerst auf die Such-App, bevor die Desktop-Suche ebenfalls folgen wird, da die meisten Chinesen mobil per Smartphone im Internet surfen.

Die Zensur der Suchergebnisse wird vermutlich umfassend sein. Die „Great Firewall“ sorgt dafür, dass für die Regierung unliebsame Informationen kaum online gefunden werden können. Besonders deutlich fällt die Zensur bei Themen wie Demokratie, Meinungsfreiheit, Polizeigewalt und Bürgerrechten auf. Themen wie das Tian'anmen-Massaker im Juni 1989 werden sogar vollständig gefiltert. Laut Experten soll die Zensur unter Präsident Xi Jinping sogar noch strenger geworden sein. Auch soziale Medien und Chat-Apps wie Weibo sind von der Zensur nicht ausgenommen.

Niederlage für die Meinungs- und Informationsfreiheit

Patrick Poon, Forscher bei Amnesty International erklärt, dass die zensierte Such-App, falls die tatsächlich erscheint, ein „großes Destaster und ein schrecklicher Präzedenzfall“ ist. Außerdem kann die Einführung der App als Sieg der chinesischen Regierung gegen eines der größten Unternehmen der Welt sowie gegen die Meinungs- und Informationsfreiheit angesehen werden. Sollte auch Google den Wünschen der chinesischen Regierung folgen, könnte dies den ohnehin geringen Widerstand gegen die Zensurmaßnahmen noch weiter schwächen.

Auf Nachfrage hat Google keinen Kommentar zum Projekt Dragonfly abgegeben. Laut einem Insider wird Google seine Such-App nur dann veröffentlichten, wenn sie neben der notwendigen Genehmigung der Regierung, auch besser ist als der chinesische Konkurrent Baidu.

Von 2006 bis 2010 hat Google in China schon einmal eine zensierte Version ihrer Suche angeboten, die jedoch aufgrund anhaltender Kritik wiedereingestellt wurde. Die Eröffnung eines KI-Forschungszentrums in Peking und andere Aktivitäten in China lassen jedoch vermuten, dass Google bald wieder auf dem chinesischen Markt mit seinen 750 Millionen Internet-Nutzern aktiv sein möchte.

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