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RuNet Experiment

Gefahrenabwehr Russland will das Internet verlassen

von Robert Klatt •

Ein neues Gesetz sieht ein vom Internet unabhängiges RuNet vor. Kritiker fürchten eine noch stärkere Überwachung nach chinesischem Vorbild.


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Ein im Jahr 2018 durch das russische Parlament eingebrachter Gesetzesentwurf sieht vor, dass die lokalen Internetprovider im Falle eines ausländischen Cyberangriffs das russischsprachige Internet RuNet vom Rest des weltweiten Netzes abtrennen müssten. Es soll so sichergestellt werden, dass das russische Internet weiter unabhängig genutzt werden kann und dass durch die Abschirmung die Angriffe von außerhalb unterbunden werden. Die russischen Behörden planen nun in Kooperation mit den relevanten Internetprovidern des Landes einen ersten Praxistest, bei dem die Verbindung zum Internet zeitweise unterbrochen werden soll, wie das Medienunternehmen RozBiznesKonsalting (RBK) berichtet.

Gefahrenabwehr oder Überwachung?

Laut dem Bericht des russischsprachigen Magazins haben die betroffenen Unternehmen grundsätzlich erklärt mit den Zielen des geplanten Gesetzes konform zu gehen. Technische Details sollen jedoch auf heftigen Widerstand stoßen, da die Internetprovider durch die Trennung des RuNet vom Internet in der geplanten Form auch landesintern großflächige Störungen erwarten.

Vorgesehen ist, dass die Telekommunikationsunternehmen den russischen Datenverkehr vollständig über Backbones leiten, die von Aufsichtsbehörde Roskomnadsor überwacht werden. Die 2008 gegründete Behörde für die Aufsicht im Bereich der Kommunikation, Informationstechnologie und Massenkommunikation ist unteranderem die Macht Medien zu schließen, wenn diese gegen Gesetze verstoßen. Da bereits kleine Vergehen ausreichen wird die Behörde von Kritikern auch als Zensurorgan des Staates zur Unterbindung regierungsfeindlicher Stimmen angesehen. Durch die von der Behörde kontrollierten Austauschknoten soll garantiert werden, dass der russische Datenverkehr nur über Server innerhalb von Russland läuft, um so zu verhindern, dass Informationen außerhalb des Landes gestohlen oder manipuliert werden können.

Experiment womöglich im März

Das Experiment, bei dem in der Praxis erprobt werden soll wie eine Trennung des RuNet erfolgen kann wird womöglich noch im März stattfinden. Die beteiligten Internetprovider MegaFon, Beeline, Mobile TeleSystems und RosTelecom sowie die Information Security Working Group haben diesem Datum bereits zugestimmt. Die Frist um noch eine Änderung des Gesetzesentwurfs zu verändern läuft am 1. April 2019 ab. Das Experiment muss daher vor diesem Datum erfolgen, um festzustellen ob auf der technischen Seite noch Änderungsbedarf besteht. Geleitet wird die Information Security Working Group von Natalya Kaspersky, die unteranderem das Sicherheitsunternehmen Kaspersky Lab mitgegründet hat.

Auch der russischen Präsident Wladimir Putin soll dem Gesetz bereits zugestimmt haben. Außerdem trägt die russische Regierung alle anfallenden Kosten, die bei den Internetprovidern entstehen, wenn diese ihren Traffic über die Knotenpunkte von Roskomnadsor leiten. Kritiker des Gesetzes befürchten eine noch stärkere Überwachung des Internets nach chinesischem Vorbild, wenn die Infrastruktur dafür unter falschen Vorwänden erstmal geschaffen wurde.

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