bluebit

Zentrale Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich

Deutschland – Staatliche Hacker-Behörde findet kaum Personal

von Robert Klatt •

Die staatliche deutsche Hacker-Behörde Zitis kann nur schwer Personal finden. Von 120 geplanten Stellen konnten bisher nur etwa 60 besetzt werden.


0 Kommentare

Laut einem Interview das die Welt mit Wilfried Karl, dem Leiter der neuen "Zentralen Stelle für Informationstechnik im Sicherheitsbereich" (Zitis) geführt hat, konnten neun Monate nach der Eröffnung der Behörde nur knapp über 60 Arbeitsverträge abgeschlossen werden. Karl sagte dazu, dass "sie inzwischen mit den Personen, die eine Zusage von uns haben, über 60 Mitarbeiter sind." Trotz der noch relativ kleinen Anzahl sieht Karl die Entwicklung positiv und bezeichnet die Zitis als „Startup“, das sich unter den anderen Sicherheitsbehörden "durchaus sehen lassen kann".

Führungspositionen besetzt

Laut der Welt wurden inzwischen wichtige Führungspositionen mit Fachleuten besetzt werden, die die Behörde aus dem Bereich der Sicherheitsindustrie abwerben konnte. Ein Teil der Leitungspositionen wurde somit direkt mit Personen besetzt, die zuvor schon externe Aufträge von Geheimdiensten und der Polizei erhielt. Die Big-Data-Abteilung wird von einem ehemaligen Siemens-Mitarbeiter geführt, die „digitale Forensik“ wird durch einen renommierten Universitätsprofessor geleitet und die Telekommunikationsüberwachung wird durch einen Ex-Mitarbeiter von Rhode & Schwarz geleitet. Die Kryptoanalyse wird durch einen ehemaligen Mitarbeiter der deutschen Telekom geführt.

Bewerber nur schwer zu finden

Die Ausschreibung aller Leitungspositionen erfolgte laut dem Bundesinnenministerium öffentlich. Es konnten sich so auch externe Personen bewerben, die zuvor nicht der Verwaltung angehörten. Dies stellt jedoch einen Interessenkonflikt dar, da so auch Personen von Unternehmen abgeworben wurden mit denen das Zitis unmittelbar zusammenarbeiten wird. Außerdem sollten keine Mitarbeiter anderer Sicherheitsbehörden wie dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Bundeskriminalamt (BKA) für die neue Behörde abgeworben werden.

Trotz der laut eigenen Angaben IT-üblich lockeren Arbeitsweise kann die staatliche Hackerbehörde nur schwer geeignete Bewerber finden. Der Bundeshaushalt sieht insgesamt 10 Millionen Euro Budget vor, das auf Sachmittel und bis zu 120 Planstellen aufgeteilt werden sollte. Bis 2022 soll die Anzahl der Mitarbeiter auf 400 Personen ansteigen, die Verschlüsselungen knacken oder neue Staatstrojaner entwickelt. Auch die Position des Vize-Präsidenten ist bisher noch offen.

Kommerzielle Produkte aufgrund von Personalmangel nötig

Wie Karl erklärte, wird sich die Behörde "solange sie nicht über ausreichend Personal verfügt, selbstverständlich auch nach kommerziellen Produkten umschauen müssen." Dies schließt allerdings keine „Software von dubiosen Händlern auf dem 'Schwarzmarkt“ ein, da es "durchaus seriöse Anbieter gibt, mit denen die Sicherheitsbehörden schon seit Jahren im technischen Bereich gut zusammenarbeiten". Außerdem sollen externe Forschungsinstitute für gemeinsame Projekte gewonnen werden. Wie der ehemalige BND-Mitarbeiter sagte, ist vor allen die genaue Prüfung der Werkzeuge wichtig, um sicherzustellen, dass alle rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden.

0 Kommentare

Kommentar verfassen