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Broadcom will Konkurrenten kaufen

Broadcom will für 100 Milliarden US-Dollar Qualcomm kaufen

von Dennis Lenz •

Laut einem Medienbericht prüft Broadcom aktuell die Übernahme des Konkurrenten Qualcomm für 100 Milliarden Dollar. Sollte die Übernahme tatsächlich erfolgen, wäre sie die mit Abstand größte je erfolgte Übernahme im Chip-Sektor.


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Der Chiphersteller Qualcomm mit Sitz in San Diego, Kalifornien steht seit einigen Monaten unter massivem wirtschaftlichen Druck. Besonders ein noch andauernder Rechtsstreit mit Apple um Mobilfunkchip-Patente bei dem es um Milliarden geht belastet das Unternehmen. Außerdem steht das Unternehmen aufgrund von Kritik und Klagen verschiedener Wettbewerbsbehörden aufgrund seiner Lizenzierungspraktiken unter starkem Druck. Die insgesamt unsichere Lage hat dafür gesorgt, dass der Gewinn deutlich gesunken ist.

Dazu kommen noch Probleme die bei der im Vorjahr angekündigten Übernahme des europäischen Konkurrenzkonzerns NXP entstanden sind. Die noch nicht abgeschlossene Übernahme hat ein Volumen von 47 Milliarden Dollar und ist damit auch für einen Konzern wie Qualcomm keine Kleinigkeit. Die aktuelle schwierige Lage möchte sich nun der Hauptkonkurrenz Broadcom zunutze machen.   

Die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass Broadcom aktuell die Übernahme von Qualcomm prüft. Broadcom soll bereit sein bis zu 70 Dollar pro Qualcomm Aktie zu bieten. Das Gesamtvolumen der Transaktion läge damit bei 103 Milliarden Dollar, was sie gleichzeitig zur größten Firmenübernahme im Chip-Sektor machen würde. Der Bloomberg-Bericht wurde bisher von keiner der betroffenen Firmen bestätigt. Am Freitag erfolgte trotzdem ein Kurssprung der Aktie, der zwischenzeitlich für ein gigantisches Plus von 19 Prozent sorgte.

Am Ende des Handelstages blieb immerhin ein Plus von 13 Prozent bestehen. Qualcomm ist damit etwa 91 Milliarden wert. Der Wert der Aktie lag, obwohl er an nur einem Tag um 13 Prozent angestiegen ist, immer noch unter dem Wert den die Aktie am Jahresende 2016 hatte. Im Durchschnitt konnten Aktien von Unternehmen im Chip-Sektor im Jahresverlauf Kursgewinne von 40 Prozent verbuchen. Qualcomm schnitt also im Branchenvergleich sehr schlecht ab.

Neben den bereits genannten rechtlichen Problemen wirken sich Schwierigkeiten im operativen Geschäft ebenfalls negativ auf den Gewinn aus. Besonders die Schwierigkeiten mit Apple sorgten dafür, dass im dritten Quartal 2017 der Gewinn um 89 Prozent auf 200 Millionen Dollar eingebrochen ist. Auch der Umsatz sank um fünf Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar.

Würde Broadcom Qualcomm übernehmen würden sie zusammen nach Umsatz zum drittgrößten Chip-Hersteller weltweit aufsteigen. Lediglich Intel und Samsung wären noch vor ihnen. Es ist noch abzuwarten, ob die US-Kartellbehörden die Übernahme zulassen. Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde zu einem Quasi-Monopol im Bereich WLAN- und Modem-Chips für mobile Geräte führen. Es ist wahrscheinlich, dass in den kommenden Tagen ein Übernahmeangebot erfolgt. Die finale Entscheidung ist laut Bloomberg jedoch noch nicht getroffen worden.

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