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Fake Accounts

Betrüger erzielen mit Abzock-Playlisten Millioneneinnahmen bei Spotify

von Robert Klatt •

1200 Fake Accounts, 500 kurze Musikstücke und 300.000 US-Dollar Monatseinnahmen. So haben professionelle Abzocker das System von Spotify ausgenutzt.


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Laut einem Bericht des Musik-Branchenmagazins Music Business Worldwide hat eine Gruppe aus bulgarischen Betrügern das System von Spotify ausgenutzt, um Millionen Euro zu verdienen. Sie haben dazu die Playlists "Soulful Music" und "Music from the Heart" erstellt, die beim kurzen reinhören nicht auffällig wirken. Spotify-Nutzer die sich die Playlists etwas genauer angeschaut haben, konnten jedoch schnell bemerken, dass etwas damit nicht stimmen kann. Die bloße Länge von 500 Songs ist für Spotify bereits sehr untypisch, dazu kommt noch, dass die meisten Songs nur etwa 30 Sekunden Spielzeit haben. Ab dieser Länge erhalten die Inhaber der Songs von Spotify noch eine Gewinnausschüttung.

Die Hintermänner konnten mit diesen speziell dafür erstellen Playlisten vollkommen automatisiert Tantiemen im großem Umfang von Spotify abgreifen. Ob es noch weitere Playlisten gibt oder gab die einem ähnlichen Muster folgen ist noch unbekannt.

1200 Fake Accounts im Einsatz

Da die Playlisten natürlich so gut wie nie von normalen Spotify-Nutzern gehört wurden, haben die Betrüger rund 1200 Fake Accounts angelegt, um die nötige Beliebtheit zu generieren. Sie abonnierten dann mit allen Accounts Spotify-Premium, um dann ohne Unterbrechung die beiden Playlisten abzuspielen und somit Einnahmen von Spotify zu erhalten.

Die genauen Einnahmen lassen sich nur abschätzen. Branchenexperten haben analysiert, dass die durchschnittliche Abspieldauer eines Songs bei 43 Sekunden lag. Jeder Fake Account der Betrüger konnte somit pro Monat etwa 60.000 Songs abspielen. Die Tantiemen pro abgespielten Song liegen geschätzt bei 0.004 US-Dollar was hochgerechnet auf 1200 Fake Accounts Einnahmen in Höhe von rund 300.000 US-Dollar pro Monat ermöglicht. Die Einnahmen könnten eventuell noch höher liegen, falls die Betrüger mit einem Bot die Songs nach 30 Sekunden Abspielzeit übersprungen haben. Die gesamte Operation hat rund 12.000 US-Dollar pro Monat für Spotify-Premium gekostet.

Spotify hat die Zahlen jedoch noch nicht offiziell bestätigt. Unklar ist auch noch die genaue rechtliche Lage. Obwohl das System von Spotify ganz klar missbräuchlich eingesetzt wurde, gehen einige Personen davon aus, dass es sich nicht um Betrug gehandelt hat. Ein Insider erklärte gegenüber dem Magazin Music Business Worldwide, dass diese Art Tantiemen zu verdienen nicht illegal seil.

Die beiden Playlisten und die 1200 Fake Accounts waren insgesamt vier Monate aktiv, Im September 2017 hat ein Major Label die Vorgänge entdeckt und an Spotify gemeldet. Dies geschah jedoch nur, weil die Betrüger zu aggressiv gearbeitet haben. Die Playlist "Soulful Music" lag in den USA zeitweise auf Platz 11 der meistgespielten Playlists. Vermutlich würde das System heute immer noch laufen, wenn die Betrugsmasche weniger auffällig eingesetzt worden würde.

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