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Breitbandabbau

Telekom vs. EWE - 30.000 VDSL-Anschlüsse in Niedersachen gekündigt

von Robert Klatt •

Telekom vs. EWE - 30.000 VDSL-Anschlüsse in Niedersachen gekündigt

Die Telekom muss aufgrund von fehlgeschlagenen Vertragsverhandlungen bald vielen ihrer Kunden den VDSL-Anschluss kündigen.


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In den letzten Tagen haben viele Telekom-Kunden die in Niedersachsen beheimatet sind unerfreuliche Post von ihrem Telefon- und Internetprovider erhalten. Der ehemalige Staatskonzern mit dem Sitz in Bonn schreibt darin seinen Kunden, dass sie „das Telekommunikationsnetz der Zukunft bauen". In einigen Teilen des Bundeslandes ist dies jedoch aufgrund von Schwierigkeiten mit dem lokalen Versorgungsunternehmen EWE, das neben Telekommunikationslösungen auch Strom und Erdgas anbietet, leider nicht weiter möglich. Kunden die bereits über einen schnellen VDSL Anschluss besitzen sind davon besonders betroffen, da sie die Nachricht erhalten, dass "die Telekom deshalb auch bereits bestehende VDSL-Angebote nicht mehr aufrechterhalten kann.“ Wie der Konzern mitteilte muss „an diesen Wohnorten“ die Technik wieder entfernt werden. Betroffene Kunden haben nun lediglich die Option wieder auf einen herkömmlichen DSL-Anschluss zu wechseln. Andernfalls wird ihr Vertrag zum Ende der Laufzeit aufgelöst.

Beschwerden bei Twitter

In den sozialen Medien häufen sich inzwischen die Beschwerden gegen die Deutsche Telekom. Ein Nutzer berichtet auf Twitter, dass ihm statt aktuell 50 MBit/s per VDSL bald nur noch 16 MBit/s per ADSL zur Verfügung stehen soll. Verantwortlich für dieses PR-Desaster ist laut einem NDR-Bericht ein Streit über den Zugang der Deutschen Telekom zum Leitungsnetz von EW, das die Telekom benötigt um VDSL in diesem Gebiet anzubieten. Der eigentliche Netzausbau erfolgt durch EWE, die Unternehmen können sich aber nun nicht mehr einig werden zu welchen Konditionen die Deutsche Telekom die modernisierten Leitungen nutzen darf.

Technisch bedingt ist es bei VDSL mit bis zu 100 MBit/s der Zugang auf die Teilnehmeranschlussleitungen (TAL) nur für jeweils einen Provider möglich. Um mehreren Providern die Möglichkeit zu geben ihre Dienstleistung anzubieten sind lokale virtuell entbündelte Alternativprodukte möglich, die eine ähnliche Leistung erreichen können. Unternehmen wie EWE sind aber gesetzlich nicht dazu gezwungen dies anzubieten. In den meisten Regionen hat die Deutsche Telekom selbst den Zugriff auf den Hauptverteiler und die TAL. Da in Niedersachsen die Hoheit jedoch bei EWE liegt, die sich wiederum mit der Telekom auf einen Vertrag einigen konnten, kann das größte deutsche Telekommunikationsunternehmen nun seinen Kunden bald nur noch ADSL anbieten. ADSL funktioniert auch bei langen Entfernungen über die normalen Kupferkabel und ist somit unabhängig von Verträgen zwischen der Telekom und EWE.

Etwa 30.000 Anschlüsse betroffen

Laut dem NDR-Bericht sind rund 30.000 Kunden von der Kündigung beziehungsweise der alternativen Zwangsumstellung betroffen. Die Deutsche Telekom hat sich geweigert die Zahlen öffentlich zu kommentieren. Er bestätigte lediglich den Vorgang an sich und erklärte gegenüber dem Fernsehsender, dass "die Deutsche Telekom dies nicht aus Jux und Dollerei macht." Auch der Kundenserver äußerte sich auf Twitter und erklärte, dass "sie dies wirklich nur sehr ungerne tun." Der Konzern macht für den Rückbau der VDSL-Anschlüsse eine Entscheidung der Bundesnetzagentur verantwortlich. Ähnliche Vorfälle gab bereits in Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Kurioserweise arbeiten die beiden streitenden Unternehmen bei schnelleren Anleitungen trotz des Streits zusammen. Sie haben gemeinsam rund zwei Milliarden Euro in den Glasfaserausbau investiert. Die geplante Infrastruktur soll nach ihrer Fertigstellung gemäß des Open-Access-Prinzips auch Dritten offenstehen.

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