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Netzneutralität in der EU oft verletzt

Studie: Mobilfunk aufgrund von Zero Rating Angeboten deutlich teurer

von Robert Klatt •

Die auf den ersten Blick günstigen Angebote wie StreamOn der Telekom und der Vodafone Pass haben laut der Studie zu verdeckten Preiserhöhungen geführt.


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Laut einer Studie der österreichischen Bürgerrechtsorganisation Epicenter.works sorgen Zero Rating Angebote dafür, dass die Mobilfunknutzung im Durchschnitt für alle Kunden eines Unternehmens teurer wird. Zero Rating Angebote wie zum Beispiels StreamOn der Deutschen Telekom oder der Vodafone Pass beziehen sich auf bestimmte oft datenintensive Dienste wie Netflix oder Spotify, deren verbrauchtes Datenvolumen nicht vom im Mobilfunktarif enthaltenen Datenvolumen abgezogen wird. Auf den ersten Blick erscheinen diese Mobilfunktarife dadurch günstiger, als Tarife anderer Unternehmen ohne Zero Rating Bestandteile.

Analyse aller Zero Rating Angebote

Im Zuge der Studie hat die Organisation alle in Europa verfügbaren Zero Rating Angebote untersucht. Gefunden wurden dabei 186 Zero Rating Angebote, bei insgesamt 225 Mobilfunkunternehmen, die laut den Erstellern der Studie einen Verstoß gegen die Netzneutralität darstellen. Die Studie kritisiert vor allem, dass Zero Rating Angebote große Dienste wie WhatsApp bevorzugen, deren Datenverbrauch nicht auf das Volumen angerechnet wird, während für die Nutzung kleinerer Alternativen wie Signal oder Telegram zusätzliches Volumen erworben werden muss. Dies sorgt laut Ansicht der Bürgerrechtler dafür, dass kleine Diensteanbieter aufgrund der preislichen Diskriminierung nicht so frei genutzt werden können, wie die Angebote von Quasimonopolisten wie WhatsApp.

Verstöße gegen Netzneutralität nur mit Erlaubnis der Regulierungsbehörden

Innerhalb der EU sind Zero Rating Angebote ein rechtlich umstrittener Punkt. Sie sind generell zwar nicht verboten, dürfen aber nicht einzelne Dienste bevorzugen. Die EU Richtlinie erlaubt also Zero Rating, wenn zum Beispiel alle Streaming-Dienste beinhaltet sind, ein Angebot, das nur einen einzelnen Dienst wie Netflix bevorzugt ist allerdings verboten. Außerdem müssen die Zero Rating Angebote durch die lokalen Regulierungsbehörden, in Deutschland also durch die Bundesnetzagentur erst genehmigt werden. Der in Deutschland angebotene Vodafone Pass und StreamOn der Telekom sind bereits seit 2017 Streitpunkte, bei denen die Bundesnetzagentur von illegalen Angeboten ausgeht.

Zugang zum Netz teurer

Insgesamt soll laut Epicenter.works Zero Rating Angebote zu höheren Preisen für zusätzliches Datenvolumen führen. Auf den ersten Blick wirken die Tarife zwar günstiger, Datenvolumen das außerhalb der enthaltenen Zero Rating Dienste genutzt wird, ist im Durchschnitt laut der ökonomischen Analyse der Organisation jedoch deutlich teurer. Im Zeitraum von 2015 bis 2016 sollen die Mobilfunkpreise innerhalb der EU durch Zero Rating um etwa zwei Prozent teurer geworden seien. Angebote ohne Zero Rating sind im selben Zeitraum rund acht Prozent im Preis gesunken.

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