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Verbindung über WLAN-Modem

Katastrophen-App Smarter kommt ohne Mobilfunknetz aus

von Dennis Lenz •

Die Smarter genannte Katastrophen-App verbindet sich per WLAN-Moden mit anderen Smartphones. Die so erreichten Geräte senden die Nachricht dann an weitere Geräte in ihrer Umgebung wieder. Es entsteht so ein Netz, dass im Katastrophenfall auch ohne Mobilfunkempfang wichtige Nachrichten übertragen kann.


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Der Informatikprofessor Matthias Hollick stellte mit seinen Kollegen die Smartphone-App Smarter mit den Worten „"Bei vielen Katastrophen fällt die Kommunikation komplett aus, dann ist das Smartphone so viel wert wie ein Backstein" dem interessierten Publikum vor. Smarter soll dabei helfen die Kommunikation auch in einem Katastrophenfall sicherzustellen.

Die App wurde von der technischen Universität Darmstadt in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als Teil eines Wissenschaftsprojekts entwickelt. Das Ziel ist es, auch bei einem kompletten Ausfall des Mobilfunknetzes die Kommunikation per Textnachrichten zu anderen Personen zu ermöglichen.

Offline Ad-Hoc-Netzwerk durch Smarter-App

Zur Aufspannung des Ad-Hoc-Netzwerkes verwendet die App das WLAN-Modem des Smartphones. Je nach Umgebung und Hardware kann das Gerät so über bis zu 200 Meter Entfernung Nachrichten versenden. Jedes erreichbare Smartphone wird verwendet, um die empfangene Nachricht an alle Smartphones in deren Reichweite weiter zu versenden. Es baut sich so ein autonomes Ad-Hoc-Netzwerk auf, dass vollkommen unabhängig von den Mobilfunkprovidern funktioniert. Die einzige Voraussetzung ist, dass die im Senderadius erreichbaren Smartphones die App verwenden und WLAN aktiviert haben. Die verschickten Nachrichten sind verschlüsselt und können nur vom gewünschten Empfängen gelesen werden.

Zusätzlich zur Nachrichtenfunktion verfügt die App über ein Offline-Lexikon, dass Hinweise zu möglichen Gefahren wie einem Chemieumfall oder Blitzeinschlag bereitstellt. Die Software gibt Ersthelfern einfach zu folgende Schritt-für-Schritt-Anleitungen, die es auch unerfahrenen Personen ermöglicht verletzte und gefährdete Menschen zu retten.

Im September wurde die Smarter-App bereits mit 125 Probanden in einer simulierten Katastrophensituation ausprobiert. Der Test zeigte, dass die App bei der Ersthilfe gut funktionierte, andere Punkte wurden jedoch noch bemängelt. Ein Tester bewertete die App als positiv. Ihm gefiel, dass die App leicht bedienbar ist und die zur Verfügung gestellten Information auch in der Praxis helfen. Ein anderer Proband sagte, dass die Nachrichtenfunktion bei ihm kaum funktioniert hat. Es ist also noch Arbeit an der App nötig, um im Ernstfall eine fehlerfreie Nachrichtenfunktion garantieren zu können. Aktuell gibt es Smarter nur für Android-Smartphones.

Die App soll später, wenn sie sich nicht mehr in einem so frühen Stadium der Entwicklung befindet, auch für iOS-Geräte erscheinen. Der Akkuverbrauch ist ebenfalls noch problematisch. Bei den Probanden verbrauchte die App im Durchschnitt einen Prozent Akkulaufzeit pro Minute. Es ist geplant, die finale Version im März 2018 zu veröffentlichen.

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