bluebit

Exklusive Zugriffsrechte gefordert

Innenministerium will Smart-Home-Geräte abhören

von Robert Klatt •

Das Bundesinnenministerium möchte Smart-Home-Geräte abhören. Hersteller sollen dazu verpflichtet werden Zugriffsmöglichkeiten in ihre Geräte einzubauen.


0 Kommentare

Das aktuell von Thomas de Maizière geführte Bundesinnenministerium fordert laut einem Medienbericht exklusive Zugriffsrechte auf zahlreiche Geräte. Unteranderem sollen Hersteller von Alarmanlagen und Sicherungssystemen für Wohnungen und Autos zur Kooperation verpflichtet werden. Den im Bericht angesprochenen Abhörmöglichkeiten für Computer, Laptops und Tablets wiederspricht das Ministerium deutlich. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland beruft sich auf eine Vorlage für die Innenministerkonferenz in Leipzig die kommende Woche stattfindet. Weitere Geräte die Abhörmöglichkeiten bieten sollen sind Smart-Home-Geräte wie beispielsweise digitale Küchenassistenten.

Das Ministerium erklärte auf eine Anfrage der deutschen Presse Agentur, dass die geplanten Maßnahmen die in Computer und Smart-TV integrierten Mikrofone nicht umfasse. Außerdem handelt es sich laut dem Ministerium nicht um eine Erweiterung der bereits vorhandenen Befugnisse. Aktuell benötigt die Polizei Zugang zu den Räumlichkeiten oder dem Auto eines Verdächtigen, um dort technische Überwachungsanlagen einzurichten, um so die Abhörbefugnisse umzusetzen. Dies erfordert aktuell, dass Sicherheitseinrichtungen überwunden werden müssen ohne, dass dies der Verdächtige bemerkt.

Rein rechtlich ist die Überwachung durch die bestehenden Befugnisse also bereits möglich. Aufgrund der technischen Schwierigkeiten gibt es in der Praxis jedoch häufig noch Probleme. Die Rechtsgrundlage um Hersteller zur Installation entsprechender „Spionagemöglichkeiten“ zu verpflichten existiert bisher noch nicht. Das Bundesinnenministerium strebt daher an, die Hersteller dazu zu verpflichten Schlüssel herauszugeben, um somit Sicherheitssysteme überwinden und öffnen zu können. Es ist bestätigt, dass über dieses Thema bei der Innenministerkonferenz debattiert wurde.

Sicherheitsexperten sehen das Thema hingegen kritisch. Sicherheitslücken und Hintertüren die eigentlich nur für staatliche Stellen bestimmt sind, gelangen laut ihnen regelmäßig auch in die Hände von Kriminellen und feindlichen Geheimdiensten. Es ist also möglich, dass die Maßnahme die sich eigentlich gegen Kriminelle richtet in der Realität die Cyberkriminalität fördern könnte. Dass die Forderung umgesetzt werden ist äußerst unwahrscheinlich. Die US-Regierung konnte entsprechende Forderungen gegen Apple in den USA bisher nicht erzwingen. Es ist daher nicht damit zu rechnen, dass die deutsche Regierung, die wesentlich weniger Druckmittel hat, große Unternehmen wie Apple zum Einbau von Hintertüren bewegen kann.

Ein Bericht des Redeaktionsnetzwerk Deutschland weist daraufhin, dass moderne Alarmanlagen in Autos inzwischen so empfindlich sind, dass bereits kleine Erschütterungen einen Alarm auslösen, der dann dem Besitzer auf dem Smartphone per Messenger mitgeteilt wird. Die Journalisten berufen sich dabei auf Personen aus den Innenressorts. Würden die geforderten Maßnahmen des Innenministeriums umgesetzt werden, müssten Hersteller von Alarmsystemen solche Nachrichten in Zukunft unterbinden, wenn staatliche Stellen auf ein Fahrzeug zugreifen wollen. Weiterhin wäre für jegliche Überwachungsmaßnahmen jedoch noch ein richterlicher Beschluss nötig.

0 Kommentare

Kommentar verfassen