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US-Sanktionen

Huawei vor dem Aus? Verkäufe in den Iran könnte Android-Lizenz kosten

von Robert Klatt •

Im Extremfall könnte Huawei die Android-Lizenz und alle Google Dienste für sieben Jahre verlieren. Dies wäre wohl das Ende der Smartphone-Sparte.


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Der chinesische Smartphone-Hersteller Huawei ist nach ZTE das zweite Unternehmen das innerhalb von nur wenigen Tagen auf dem Radar der US-Regierung aufgetaucht ist. Die USA haben vor wenigen Tagen gegen ZTE ein Exportverbot erlassen, da ZTE trotz US-Sanktionen Telekommunikationsausrüstung nach Nordkorea und in den Iran geliefert haben soll. Das Exportverbot verbietet sämtlichen US-Unternehmen Geschäftsbeziehungen mit dem in China beheimateten ZTE einzugehen. Die Folgen davon sind weitreichend. Innerhalb von einem Zeitraum von sieben Jahren darf ZTE so nicht das von Google entwickelte Android für ihre Smartphones verwenden, was praktisch das Aus für diesen Unternehmensbereich bedeutet. Umgehen könnte dies ZTE nur, wenn sie aus den Open Source Code eine eigene Android-Distribution entwickeln. Zumindest den Play Store und andere Google Dienste wird man aber aller Wahrscheinlichkeit für sieben Jahre nicht auf ZTE Hardware finden. Außerdem darf ZTE keine SoC mehr von Qualcomm beziehen. Rund die Hälfte aller ZTE Smartphones verwenden Chips aus dem Hause Qualcomm.

Nun könnten auch Huawei ähnlich drastische Strafen drohen. Der weltweit drittgrößte Smartphone-Hersteller soll wie ZTE gegen US-Sanktionen verstoßen und Hardware die auch US-Technologie beinhaltet an den Iran verkauft haben. Sollten die Ermittlungen des US-Justizministeriums ergeben, dass auch Huawei gegen die US-Sanktionen verstoßen hat, drohen dem Unternehmen dieselben drastischen Strafen wie ZTE. Dies würde wie bei ZTE bedeuten, dass Huawei sieben Jahre auf sämtliche Google-Dienste und sonstige Soft- und Hardware aus den USA verzichten muss. Aktuell ist das Ergebnis der Untersuchungen noch offen. Ein eventuelles Handelsverbot wurde jedoch Huawei besonders drastisch zurückwerfen, da das chinesischen Unternehmen seit einigen Jahren rasant Marktanteile gewinnt und inzwischen Apple fast überholt hat.

Sollte das US-Justizministeriums Huawei im Falle der Exporte in den Iran als schuldig sehen, dürften die Auswirkungen weitreichend sein. Aktuell wird in den USA neben Huawei Smartphones auch andere Netzwerktechnologie eingesetzt, die vermutlich ebenfalls dann nicht mehr in den USA angeboten werden dürften. Sowohl Huawei als auch Google haben bisher noch keine öffentliche Stellungnahme zu dem Vorfall abgegeben.

Google zeigte sich jedoch auch nachdem das Exportverbot gegen ZTE ausgesprochen wurde äußerst bedeckt. Das Unternehmen kommentierte den Fall lediglich knapp und ließ verlauten, dass Gespräche mit ZTE bestehen. Da Google auf legalem Wege Android und die anderen Dienste zumindest an ZTE und eventuell auch an Huawei jedoch für sieben Jahre nicht exportieren kann, ist kaum mit einer Lösung zu rechnen. Sollte der Konzern über Umwege die Lizenz weiterhin an die betroffenen Unternehmen vertreiben, würde dies auch für Google enorme Schwierigkeiten mit der US-Regierung bedeuten. Da es sich bei Huawei jedoch noch um die erste Eskalationsstufe handelt, ist damit zu rechnen, dass das Unternehmen vorerst zwar bestraft wird aber trotzdem kein komplettes Exportverbot erhält. Besonders das laut der US-Regierung „vorbildliche Verhalten“ des chinesischen Unternehmens nachdem ersten Vorfall spricht gegen ein Exportverbot, wenn Huawei nicht weiter gegen US-Sanktionen verstößt.

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