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Gefahr für den Datenschutz

Forscher nutzen Touch-Gesten um Smartphone-Nutzer zu tracken

von Robert Klatt •

Anhand von Touch-Gesten wie Wischen, Tippen und Zoomen können Person mit hoher Genauigkeit wiedererkannt und über verschiedene Geräte verfolgt werden.


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Wissenschaftler der in Australien ansässigen Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation (CSIRO) haben herausgefunden, dass die Eingaben per Touchscreen genauso einzigartig wie die Handschrift eines Menschen sind. In ihrem kürzlich veröffentlichten Artikel „Touch and You’re Trapp(ck)ed: Quantifying the Uniqueness of Touch Gestures for Tracking” zeigen sie, dass anhand der verwendeten Gesten bei der Touchscreen-Nutzung Nutzer genau wiedererkannt werden können. Die Wissenschaftler konnten mit ihrer „Methode Nutzer mit einer Erfolgsrate von über 90 Prozent identifizieren“.

Studie basiert auf Anwendung TouchTrack

Zur Aufzeichnung der individuellen Touch-Daten haben die Forscher die App TouchTrack entwickelt, die nun auch kostenfrei im Google Play Store heruntergeladen werden kann. Die App beinhaltet eine Reihe Mini-Games, die verschieden Touch-Bewegungen benötigen. Insgesamt haben an der Studie 89 Probanden teilgenommen. Anschließend wurde die so gewonnenen Daten mathematisch untersucht, um ihre Eindeutigkeit festzustellen.

Die Wissenschaftler kamen zu dem überraschenden Ergebnis, dass bereits wenige Samples eines Bewegungsablaufes wie dem Wischen von Oben nach Unten über das Smartphone-Display ausreichen, um Informationen über den Nutzer zu erlangen. Umso mehr Daten jeder Person vorlagen, umso fehlerfreier konnten diese anschließend wiedererkannt werden. Die Studie ergab außerdem, dass Wischbewegungen und die Eingabe von Buchstaben auf dem Bildschirm mehr verwertbare persönliche Informationen zur Wiederkennung liefern, als Tippbewegungen und das Schreiben auf der Touch-Tastatur.

Die Ergebnisse der Studie wurden auf der Konferenz Privacy Enhancing Technologies Symposium vorgestellt. Der Vortrag beginnt ab 2:45:00

Datenschutz für Touch-Eingaben notwendig?

Der Zugriff auf Touch-Events wie Wischen, Tippen, Zoomen und die Handschrift einer Person können über APIs leicht abgerufen werden. Bei APIs handelt es sich um Programmierschnittstellen, die notwendig sind damit Hard- und Software Informationen austauschen können. Eine App erhält per API somit die Eingabedaten des Touchscreens.

Problematisch an dieser erstmal notwendigen Technik ist jedoch, dass einige Apps auch Daten über die API erfragen, die für den eigentlichen Betrieb nicht notwendig wären. Ob es sich dabei schlicht um nachlässige Arbeit der Entwickler handelt oder es diese Daten bereits zum Tracking genutzt werden, können die Nutzer nicht nachvollziehen.

Bisher wurden den Touch-Daten in der Diskussion um Tracking und Privatsphäre, die besonders im Zuge der Einführung der Datenschutzgrundverordnung aufkam, kaum Beachtung geschenkt. Die Forscher weisen in ihrem Artikel deshalb auf eine Reihe von Risiken und Besonderheiten hin, die so nur bei Touch-Daten auftreten. Cookies, IP-Adressen und andere Möglichkeiten erlauben es „nur“ ein Gerät an sich zu erkenne, jedoch nicht den konkreten Benutzer. Bei Touch-Daten ist dies jedoch anders, da auch bei mehreren Nutzer die sich ein Gerät teilen eindeutig erkannt werden kann, welche Person grade das Gerät benutzt. Auch das „cross-device tracking“, also das Tracking über verschiedene Geräte ist über die Touch-Daten möglich.

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