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EU-Kommission

Brüssel plant Investition von 20 Milliarden in KI-Entwicklung

von Robert Klatt •

Die Investitionen sollen die internationale Wettbewerbsfähigkeit fördern. Wirtschaftsverbände äußerten sich positiv, es muss jedoch noch mehr gemacht werden.


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Künstliche Intelligenz ist eine der Schlüsseltechniken der nächsten Jahre. Um im Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz die vor allen aus China und den USA kommt nicht den Anschluss zu verlieren möchte die EU-Kommission in den kommenden Jahren die Investitionen in diesen Bereich deutlich ausweiten. Die Behörde teilte mit, dass bis 2020 rund 20 Milliarden Euro innerhalb der Europäischen Union in die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz investiert werden sollen. Die Mittel dazu sollen sowohl aus dem EU-Haushalt aber auch von privaten Quellen stammen. Von der EU-Kommission wurden bis 2020 bereits 1,5 Milliarden Euro Budget für diesen Bereich garantiert. Außerdem sollen zusätzlich 500 Millionen Euro durch den Europäischen Fond für strategische Investitionen bereitgestellt werden.

EU-Digitalkommisar Andrus Ansip erklärte während der Vorstellung der Strategie, dass " Künstliche Intelligenz wie die Dampfmaschine oder der elektrische Strom in der Vergangenheit unsere Welt grundlegend ändert." Laut Ansip verfügt Europa bereits jetzt über hervorragende Forschungseinrichtungen und Wissenschaftler. Der weltweite Wettbewerb erfordert jedoch eine bessere Kooperation der einzelnen Einrichtungen und höhere Budgets.

Hilfe für kleine und mittlere Unternehmen

Ein Großteil der Fördergelder soll dabei an kleine und mittlere Unternehmen fließen, die künstliche Intelligenz einführen wollen. Besonders gefördert werden sollen dabei Unternehmen aus den Bereichen Gesundheitswesen sowie der Verkehrssektor. Außerdem sollen klassische Industrieprozesse stärker bei der Digitalisierung unterstützt werden.

Im Zuge der Strategie möchte die EU-Kommission auch den Austausch nicht-personenbezogener Daten weiter ausweiten. Damit gemeint sind beispielsweise Wetter- sowie geografische Daten und Erkenntnisse aus dem Bildungs- und Wirtschaftsbereich. Der gemeinsame Zugriff auf einen möglichst großen Pool aus Daten soll die europaweite Innovationsfähigkeit fördern und so für mehr Arbeitsplätze sorgen. Datenschützer dürften über den Vorschlag auch digitale Patientendaten europaweit für Ärzte verfügbar zu machen nicht erfreut sein. Die EU-Kommission möchte jedoch auch Daten des Gesundheitswesens grenzübergreifend für die Wissenschaft freigeben.

Wandel in der Arbeitswelt

Außerdem arbeitet die EU-Kommission an ethische Richtlinien für die Entwicklung künstlicher Intelligenz, die bis Ende des Jahres vorgestellt werden sollen. Ein Appell an die EU-Staaten fordert die dortigen Regierungen auf, Vorbereitungen für den anstehenden Wandel durchzuführen. Besonders der Wegfall von Arbeitsplätzen und die Schaffung neuer Jobs in anderen Bereichen werden die Staaten vor große Herausforderungen stellen. Dies muss laut der EU-Kommission bereits jetzt durch Weiterbildungen und Schulungen angegangen werden.

In Deutschland wurde die Ankündigung der EU-Kommission durch den Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) positiv aufgenommen. VDMA-Präsident Carl Martin Welcker erklärte, dass "wir um ein brauchbares Regelwerk für Künstliche Intelligenz aufzustellen, international zusammenarbeiten müssen." Außerdem forderte er zu einer sachlichen Diskussion auf. Er sieht in Künstlicher Intelligenz große Chancen für die Industrie und nicht das von vielen Kritikern erwartete Horrorszenarien.

Auch der Digital-Verband Digitaleurope hat sich positiv geäußert. Generaldirektorin Cecilia Bonefeld-Dahl sagte, dass "wenn wir dies nicht sofort angehen, die Rolle und Relevanz der EU auf internationaler Ebene und verhindern das Entstehen von Arbeitsplätzen in Europa riskieren." Sie kritisierte jedoch auch, dass einige Gesetzesvorschläge der EU-Kommission nicht im Einklang mit der Förderung von Künstlicher Intelligenz stehen. Gesetze behindern beispielsweise den Bereich autonome Autos und einige Innovationen im Gesundheitswesen.

Achim Berg Präsident des deutschen Digital-Verbands Bitkom sagte: "Diese Summen können nur ein Anfang sein und müssen im nächsten Haushalt deutlich angehoben werden. Im internationalen Vergleich bewegt sich Europa mit dreistelligen Millionenbeträgen nicht auf Augenhöhe."

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